Das Geiseldrama in Norrmalmstorg, Stockholm

Einer der ersten Kriminalfälle, über die schwedische Medien überhaupt berichteten, ereignete sich zwischen dem 23. bis 28. August 1973. Die Geiselnahme am Norrmalmstorg in Stockholm dauerte 131 Stunden und ging in als Norrmalmstorg – Drama in die Geschichte ein.

Der Hintergrund des Dramas

Jan Erik “Janne” Ollson, eigentlich ein Gefängnisinsasse, hatte am 23. August 1973 Freigang und versuchte die Kreditbank am Norrmalmstorg – Platz in Stockholm zu überfallen. Ollson nahm vier Personen als Geiseln und forderte, dass die Polizei Clark Olofsson, ein damals in Stockholm und ganz Schweden bekannter Verbrecher, zu ihm in die Kreditbank gebracht werde. Weiterhin forderte er einen hohen Betrag an schwedischen Kronen, zwei Schusswaffen, sowie Fluchtfahrzeug und schusssichere Westen.

Verlauf der Geiselnahme

Die "Kreditbanken” am Norrmalmstorg in der schwedischen Hauptstadt Stockholm.

Die “Kreditbanken” am Norrmalmstorg in der schwedischen Hauptstadt Stockholm.

Ollson und der von ihm befreite Olofsson verbarrikadierten sich in der Bank in Stockholm. Während der Zeit der Geiselnahme telefonierten die Geiselnehmer mehrmals mit Olof Palme, dem damaligen Ministerpräsidenten, jedoch wurde keine Einigung erzielt. Am 26. August zitterten die Bewohner der Stadt mit, als die Polizei aus Stockholm ein Loch in das Dach der Bank bohrte, um eine Kamera ins Innere zu schleusen.

Am 28. August entschloss sich die Polizei Gas durch das Loch im Dach einzuführen. Die Geiselnahme konnte somit, ohne dass jemand körperlich nachhaltig verletzt wurde, beendet werden.

Ende des Dramas durch Verurteilung

Ollson, der Hauptinitiator wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt, von denen er lediglich acht absitzen musste. Angeblich hat er seitdem Stockholm nie wieder besucht und lebt jetzt in Thailand mit seiner Frau und Familie. Oloffson wurde zunächst zu sechs Jahren Haft verurteilt, da er aber mit der Begründung, dass er selbst nicht freiwillig am Geiseldrama verantwortlich gewesen sei, freigesprochen wurde, konnte er sein Leben nach der alten Haftstrafe weswegen er eigentlich im Gefängnis saß fortsetzen.

Ende gut, alles gut?

Das Drama in Stockholm ist einer der wenigen Geiseldramas, die wirklich ohne größeren Schaden ausgingen. Dennoch bleibt die Frage, inwieweit die Opfer noch mit posttraumatischen Belastungsstörungen umzugehen haben. Die Psychologie zumindest arbeitete den Fall noch einmal wissenschaftlich aus. Was blieb, war ein neuer Termini, der sich Stockholm-Syndrom nennt. Nach Ausgang des Dramas schienen die Geiseln ihren Geiselnehmern eher dankbar als erleichtert gewesen zu sein. Angeblich hätten sie sogar noch für die Freilassung ihrer Geiselnehmer demonstriert. Das Stockholm-Syndrom, was im eigentlichen Sinne kein Syndrom ist, bedeutet, dass Geiseln oftmals ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Die Forschung zeigt viele Erklärungsmodelle für dieses scheinbar paradoxe Phänomen auf.

Der Regisseur Hakan Lindhe widmete der Geiselnahme in Stockholm sogar einen Film mit dem Titel Norrmalmstorg, der 2003 unter dem internationalen Titel The Stockholm-Syndrome erschien.

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